Sie trafen sich in einem Café am Hauptbahnhof, weil beide dachten, ein neutraler Ort sei einfacher. Der Sohn brachte einen Ausdruck mit: zwei Seiten, chronologisch, alles, was er über die Trennung seiner Eltern wusste, mit Jahreszahlen.

Er habe das nicht als Anklage gemeint, sagt er heute. Er habe wissen wollen, wo die Lücken sind.

Warum keine Gefühle zuerst

Beide hatten Ratgeber gelesen, unabhängig voneinander, und beide waren zu dem Schluss gekommen, dass das erste Gespräch schiefgehen würde, wenn es mit Vorwürfen oder mit Rührung beginnt.

Ich hatte Angst, dass ich weine und er sich dann verpflichtet fühlt, mich zu trösten. Das wollte ich nicht. Er schuldet mir nichts, und ich schulde ihm auch nichts.

Also gingen sie die Tabelle durch. Der Vater korrigierte drei Jahreszahlen, ergänzte zwei Umzüge und widersprach an einer Stelle deutlich.

Die Stelle, an der es schwierig wurde

Der Sohn hatte notiert, dass es zwischen dem elften und dem sechzehnten Lebensjahr keinen Kontaktversuch gegeben habe. Der Vater sagte, er habe in dieser Zeit vier Briefe geschrieben.

Angekommen ist keiner. Ob sie abgefangen wurden, ob die Adresse falsch war, ob sie nie abgeschickt wurden — das lässt sich nicht mehr klären. Beide haben aufgehört, es klären zu wollen.

Wie es weitergeht

Sie telefonieren jetzt etwa alle drei Wochen. Die Gespräche sind kurz und handeln von unspektakulären Dingen: Arbeit, Wetter, ein Auto, das repariert werden muss.

Der Sohn sagt, er habe zunächst enttäuscht sein wollen, weil so wenig passiere. Dann habe er gemerkt, dass genau das der Punkt sei: Väter und Söhne, die sich immer kannten, reden auch nicht über mehr.

Die Tabelle liegt noch in einer Schublade. Ergänzt hat sie seitdem niemand.